Kuchen am Ufer, Chaos auf dem See


Die Rekordhitze am vergangenen Wochenende dürfte inzwischen jeder verdaut haben, doch den ehrenamtlichen Helfern der Wasserwacht Herrsching bleiben die Tage auch aus anderen Gründen lange in Erinnerung. Bereits in den Wochen zuvor ging es heiß her, da die Mitglieder eifrig mit dem Backen von Kuchen beschäftigt waren. „Wir haben zum ersten Mal in diesem Jahr den traditionellen Kuchenverkauf am Schlossgartenfest übernommen, was bislang immer von der Bereitschaft durchgeführt wurde“, berichtet Thomas Wuttke, Ortsgruppenleiter der Wasserwacht Herrsching. Doch für ein wirklich hohes Spendenaufkommen war das Wetter dieses Jahr schlichtweg zu gut – die Besucher blieben zur traditionellen Kaffee-und-Kuchen-Zeit am späten Nachmittag lieber im Schatten. „Stattdessen wurden wir häufig um Pflaster gebeten, doch für die medizinische Versorgung ist in erster Linie die BRK Bereitschaft Herrsching zuständig, mit der wir eng zusammenarbeiten“, erklärt Wuttke. Daher versorgten die Helfer gemeinsamen zahlreiche Schnittwunden und sonstige Blessuren, die sich die Besucher am steinigen Ufer zuzogen.

Den Wasserwachts-Kollegen, die parallel dazu ihren Dienst in der Wachstation am Mühlfeld leisteten, konnten sich ebenfalls nicht über Langeweile beklagen. „Tagsüber wurden wir zu einigen technischen Hilfeleistungen gerufen, doch erst am Sonntagabend wurden wir so richtig gefordert“, sagt Stefan Schiller, Technischer Leiter der Wasserwacht Herrsching. Gegen 20 Uhr wurden alle Wasserwachten am Ammersee sowie die Feuerwehren mit Booten alarmiert, da sich noch zahlreiche Boote auf dem See befanden – über den mittlerweile ein blitzartig heraufgezogenen Sturm hinwegtobte. Allein die Herrschinger Helfer waren mit beiden Booten sowie zehn Helfern im Einsatz, die Wachstation wurde kurzfristig zum Kommandostand für die lokale Einsatzleitung umfunktioniert. Nach und nach arbeiteten die Wasserwachten die Einsätze ab, fragten auch initiativ bei Bootsbesatzungen nach deren Wohlbefinden und nahmen die Boote gegebenenfalls in Schlepp.

Bald spitzte sich die Lage zu, als zwei Schwimmer als vermisst gemeldet wurden. Eine vierköpfige Bootsbesatzung war auf dem See unterwegs und hatte die Sturmwarnung nicht ernst genommen. Als der Wind in Böen mit bis zu sieben Beaufort über das Wasser fegt, befanden sich noch zwei Personen zum Schwimmen im Wasser, wurden von den beträchtlichen Wellen abgetrieben. Beide Personen konnten von den Wasserwachten aus Herrsching und Dießen geborgen werden und wurden aufgrund von Erschöpfungs- und Unterkühlungssymptomen an die Besatzung vom Rettungswagen Seefeld übergeben und zur weiteren Versorgung ins Krankenhaus verbracht. Rudi Stadler, einer der diensthabenden Bootsführer, berichtet: „So etwas habe ich in meinen zahlreichen Dienstjahren wirklich nur selten erlebt. Am Ausgang der Herrschinger Bucht schlugen die Wellen rund eineinhalb Meter hoch. Da wird selbst mit unserem großen Rettungsboot Toni das manövrieren zur Herausforderung“. Unterdessen brachte die Feuerwehr Herrsching eine sechsköpfige Bootsbesatzung an die Station, die bei dem Unwetter nicht mehr nach Schondorf zurücksegeln konnte – alle sechs waren zwar durchnässt, erfreuten sich jedoch bester Gesundheit. Die Wasserwacht möchte in diesem Zusammenhang nochmals darauf hinweisen, das auch bei Sommerwetter Rettungswesten und warme Kleidung sich an Bord befinden sollte – und Sturmwarnungen dringend ernst genommen werden müssen. „Obwohl zu diesem Zeitpunkt die Temperaturen verglichen mit Mittags erheblich gesunken waren, ging es mindestens ebenso heiß her“, resümiert Schiller.